Einmal rundherum

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ca. 51 kg
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«Ca.» ver­ste­hen wir sofort. Schon Kinder wis­sen: Das bedeutet «unge­fähr». Aber woher kommt dieses kurze, häu­fig ver­wen­dete Wort eigentlich? Betreiben wir wieder ein­mal etwas Sprach-Archäolo­gie und graben die ver­bor­ge­nen Schicht­en aus. Ich weiss, das ist etwas, was es nicht unbe­d­ingt braucht, um im Grossstadt-Dschun­gel zu über­leben, aber dieses Wis­sen ist wie das «Chriesi» (Kirsche) auf der Schwarzwälder­torte – MIT ist es ein­fach besser.

Aus­ge­sprochen klingt cir­ca unge­fähr so: «zir­ka»

Jet­zt sind Sie gefragt! Welche Wörter kom­men Ihnen dazu als erstes in den Sinn?

Zirkel. Zirkus. Cir­cle (englisch für Kreis).

Fällt Ihnen auch auf, was ich bemerkt habe?

Irgend­wie haben alle drei Wörter etwas mit Kreis oder rund zu tun.

«Aber was hat das mit ‚cir­ca‘ zu tun, wie wir es ver­wen­den?», würde Onkel Hubert jet­zt sich­er fra­gen. Seine Emmi würde von ihrer Strickar­beit auf­schauen, ihm einen tadel­nden Blick zuw­er­fen und an den neuen Woll­sock­en für den näch­sten Win­ter weit­er stricken.

Also nehmen wir die Schaufel und leg­en die ober­ste Schicht frei: Das Wort «cir­ca» stammt aus dem Lateinis­chen cir­cā und bedeutet «ring­sherum», »unge­fähr» oder «etwa».

«Und was bitteschön haben ‚ring­sherum‘ und ‚unge­fähr‘ miteinan­der zu tun?!» Onkel Hubert ist nicht auf den Kopf gefall­en, aber manch­mal sollte er etwas länger warten. Ein strenger Blick begleit­et von einem gemurmelten «du Stür­mi» (du Ungeduldiger!) von Emmi wäre ihm nach diesem Ein­wurf garantiert.

Er hat Recht, «ring­sherum» und «unge­fähr» wirken ziem­lich weit voneinan­der ent­fer­nt. Graben wir also eine näch­ste Schicht aus, um die Antwort zu find­en: Die Verbindung entste­ht über einen Bedeu­tungswan­del, der his­torisch recht typ­isch ist. Ursprünglich hiess cir­cā «um etwas herum», «in der Umge­bung von» – klingelt’s bei Ihnen?

Ver­ste­ht man cir­ca als «nicht exakt auf dem Punkt, son­dern in der Nähe davon», wird die Sache auf ein­mal klar. Über­tra­gen auf Zahlen hat sich daraus das heute gebräuch­liche Ver­ständ­nis entwickelt.

Und übri­gens! Wir sagen auch «um die 100 Franken» oder «rund 100 Franken». Voilà.

Wörter tra­gen ihre Geschichte oft noch Jahrtausende später in sich. Genau so ist es auch beim zirka­di­a­nen Rhyth­mus, dem heuti­gen The­ma. Nach der Ein­führung ist Ihnen klar, dass das etwas mit «unge­fähr» oder «rund» zu tun haben muss.

 

Der zirkadiane Rhythmus – unser Taktgeber

Mit dem zirka­di­a­nen Rhyth­mus ist ein inner­er biol­o­gis­ch­er Zyk­lus von unge­fähr 24 Stun­den gemeint – ein­mal Tag und Nacht – ein­mal rund­herum – bis es wieder von vorne begin­nt. Dieser Rhyth­mus steuert viele Prozesse des Lebens. Vor allem jedoch bee­in­flusst er die Schlaf-Wach-Phasen, sprich, er hat seine «Hände» beim Schlaf im Spiel. Dabei spie­len die Wech­sel von Licht zu Dunkel­heit und umgekehrt eine entschei­dende Rolle. Via spezielle Fotorezep­toren in der Net­zhaut der Augen reg­istri­ert unser Kör­p­er, wie viel Licht vorhan­den ist und ob zum Beispiel gegen Abend mehr Mela­tonin aus­geschüt­tet wer­den soll (Das Licht ist ein wichtiger aber nicht der einzige Faktor!).

Diese Zusam­men­hänge sind in der oberen Hälfte der fol­gen­den Illus­tra­tion über­sichtlich dargestellt.

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Machen wir nun einen weit­eren Schritt und ver­weben die let­zten losen Fäden. Falls Sie zur treuen HEIMisch-Blog-Leser­schaft gehören, erin­nern Sie sich wom­öglich an die bei­den «griechis­chen Got­theit­en» Sym­pa­thikus und Parasym­pa­thikus aus dem Blog­beitrag #98? Schmun­zeln garantiert!

Diese bei­den «Mit­spiel­er» des veg­e­ta­tiv­en Ner­ven­sys­tems (es steuert automa­tisch die wichtig­sten Kör­per­funk­tio­nen) sind let­ztlich ver­ant­wortlich dafür, dass wir mor­gens in die Gänge kom­men und abends ein­schlafen können.

 

Gestörter zirkadianer Rhythmus = gestörter Schlaf

Kommt der zirka­di­ane Rhyth­mus, unser Diri­gent, zum Beispiel wegen Schichtar­beit, Stress oder viel Bild­schir­mzeit am Abend (Blaulicht!) durcheinan­der, dann irren seine Musik­er Sym­pa­thikus und Parasym­pa­thikus wie aufgescheuchte Hüh­n­er durch die Gegend. Logisch fol­gt daraus kein entspan­nter, har­monis­ch­er Schlaf.

 

Als Experte für den gesun­den Schlaf kann ich deshalb nur immer wieder auf das­selbe hin­weisen: Schenken Sie dem Tag-Nacht-Rhyth­mus (dem zirka­di­a­nen Rhyth­mus) genü­gend Aufmerk­samkeit und hören Sie auf Ihren Kör­p­er! Das ist ein­er der wichtig­sten Fak­toren für einen erhol­samen Schlaf. Ein Schlafmit­tel kann in ein­er Not­lage hil­fre­ich sein, länger­fristig gese­hen, löst man damit kein Prob­lem. Die Natur hat für uns alles per­fekt ein­gerichtet – wir haben lei­der hin und wieder die Ten­denz, diese natür­liche Ord­nung zu wenig zu beachten.

 

Nun freue ich mich, Sie in zwei Wochen zum HEIMisch-Blog Num­mer 157 – «Hur­ra, wir geh’n auf Reisen!» » wieder dabei zu haben.

 

Bis bald!

 

Ihr Bern­hard Heim

Schlaf- und Wohn­ber­ater und zirka­di­an­er Rhythmiker

 

 

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