Die grosse Erlösung!

 

Wis­sen Sie noch, wie man ein Bett bettet?

Nein, nicht die Bettdecke auf­schüt­teln und hinlegen.

Richtig bet­ten!

Das Unter­lein­tuch straff ziehen, am Eck sauber fal­ten, unter­schla­gen und unter die Matratze klem­men, wo es vom Gewicht der­sel­bi­gen gehal­ten wer­den sollte. Anschliessend das Ober­lein­tuch noch straf­fer ziehen, am Fussende eben­so ein­bet­ten, am Kopfende umschla­gen und auf den Seit­en unter die Matratze schieben. Als näch­stes fol­gt irgen­deine Form ein­er (mehr oder weniger kratzi­gen) Wolldecke, die eben­so einge­bet­tet wird und tagsüber war das Ganze mit einem Über­wurf zugedeckt.

Liebe Leserin­nen und Leser, erin­nern Sie sich noch, dass damals ein Bett zurecht­machen richtige Arbeit bedeutete?

Und wenn man abends unter das bret­thart ange­zo­gene Ober­lein­tuch schlüpfen wollte, hat­te das weniger mit «schlüpfen» als vielmehr mit «sich hineinzwän­gen» zu tun. Wer sich nicht vor­sichtig genug vorar­beit­ete, riskierte eine ver­stauchte Zehe oder abge­broch­ene Zehen­nägel, so hart war das Ding ange­zo­gen. Auf dem Rück­en liegen und die Füsse ein­fach so ger­ade hin­le­gen ging nicht, da wur­den die Zehen gnaden­los umge­bo­gen – auss­er, man zer­rte erst das Lein­tuch unten am Bett etwas her­aus (was bedeutete, dass man es am näch­sten Mor­gen müh­sam wieder ein­bet­ten musste).

Und dann kam sie!

Nein, meine Her­ren, ich spreche nicht von Mar­i­lyn Mon­roe und auch nicht von Brigitte Bardot.

Ich rede von der nordis­chen Schönheit.

Wieder nein, meine Her­ren, wieder falsch. Ich meine auch nicht die Schwedin Ani­ta Ekberg (Eingewei­hte erin­nern sich an «La Dolce Vita» mit Mar­cel­lo Mastroianni).

Ich meine die Erlö­sung im Bett.

Schluss jet­zt mit diesen Anspielun­gen! Bevor irgendwelche Fan­tasien gle­ich wieder falsch abbiegen, bitte ich, möglichst schnell weit­er zu lesen.

Mit der nordis­chen Schön­heit meine ich das Nordis­che Schlafen!

Die Erlö­sung von stun­den­langem Bet­ten, bret­thart ange­zo­ge­nen Lein­tüch­ern, kratzi­gen Wolldeck­en und abendlichem «sich-in-die-Schraubzwinge-begeben». War das ein Fest. Unten ein Fixlein­tuch, oben eine leichte Decke aus Gänsefed­ern und ‑Daunen und plöt­zlich war das Zubettge­hen ein Vergnügen.

In den 70er-Jahren des ver­gan­genen Jahrhun­derts war das DER Trend im Bett.

Man schlüpfte um 22.00 Uhr unter die kuschlig-warme Decke und genoss die Leichtigkeit des Schlafengehens.

Um 22.13 Uhr streck­te man erst den einen Fuss unter der Decke her­vor, um ihn abzukühlen, um 22.17 Uhr fol­gte der zweite. Weit­ere vierzehn Minuten später klebte das Pyja­ma-Oberteil auf der Haut und um 22.33 Uhr deck­te man sich ein erstes Mal kom­plett ab, um etwas abzukühlen und zu trock­nen. Dieses Spiel wieder­holte sich die ganze Nacht mit schön­er Regelmäs­sigkeit und sorgte vor allem im Win­ter­hal­b­jahr dafür, dass man sich öfters im Bett erkäl­tete als beim Warten auf den längst über­fäl­li­gen Bus.

Das Wass­er wird auf dem Fed­erkleid des Hauben­tauch­es abgestossen.

Haben Sie sich schon ein­mal über­legt, wieso Enten auch im Win­ter putz­munter auf den kalten Seen herum­schwim­men? Nicht nur wegen der Fettschicht. Die Fed­ern und ins­beson­dere die Daunen isolieren der­art gut, dass sie (fast) keine Kör­per­wärme ver­lieren. Jet­zt stellen Sie sich eine solch leis­tungs­fähige Iso­la­tion als Bettdecke vor und schon wis­sen Sie, wieso gewisse Men­schen beim Nordisch Schlafen stärk­er schwitzen als beim Sport.

Meine ehrliche Mei­n­ung dazu: Fed­ern und Daunen sind für Deck­en und Kissen nicht wirk­lich geeignet. Neben dem ange­sproch­enen Hitzes­tau kön­nen sie nur schlecht Feuchtigkeit aufnehmen und nach aussen trans­portieren. Schlafen unter ein­er dick­en Daunen­decke kann deshalb gewisse Ähn­lichkeit­en mit einem Sauna­gang haben. Und ein Daunenkissen bringt in meinen Augen zu wenig Stützkraft, um den Kopf in ein­er entspan­nten Posi­tion zu halten.

Ein weit­er­er Punkt, der dage­gen spricht, ist die Form der Gewin­nung: Fed­ern und Daunen müssen gerupft wer­den, was bei leben­den Tieren prob­lema­tisch sein kann. Im Gegen­satz dazu wer­den Naturhaare von Schafen, Kame­len oder Kaschmirziegen von leben­den Tieren geschoren oder ein­fach eingesammelt.

Es gibt in der Zwis­chen­zeit so viele her­vor­ra­gende Alter­na­tiv­en, die kuschlige-angenehme Wärme bieten, dass nie­mand unter ein­er Daunen­decke nieder­garen muss. Bei Schlaf­säck­en oder gewis­sen Win­ter­jack­en kön­nen Daunen dur­chaus Sinn machen, aber dann sprechen wir von Aussen­tem­per­a­turen im Minus­bere­ich, sprich wir sind in der gle­ichen Sit­u­a­tion wie die Enten, die auch lieber einen war­men Hin­tern haben.

Zum Schluss noch die ulti­ma­tive Empfehlung: Lassen Sie sich von meinem Geschwätz nicht verun­sich­ern. Wenn Sie seit 30 Jahren gut und glück­lich unter ein­er Daunen­decke schlafen, bleiben Sie dabei. Es gibt nicht DIE Lösung für alle.

 

Nun freue ich mich, Sie beim näch­sten Blog­beitrag zum The­ma «Fes­tlich­er Wei­h­nacht­stisch» wieder dabeizuhaben.

 

Bis bald!

 

Ihr Bern­hard Heim

Schlaf- und Wohn-Berater und HEIMisch-Schläfer

 

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2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Achim Rohrer am 12. November 2022 um 8:51

    Genau, Bern­hard! Auch ich kenne die Saunagänge unter Feder­bettdeck­en aus früheren Zeit­en … gut und sehr plas­tisch geschildert! Gruß Achim.

    • Veröffentlich von Bernhard Heim (öko trend) am 14. November 2022 um 6:23

      Lieber Achim

      Danke für deinen Kom­men­tar. Ja schwitzen und frieren war früher, heute geniesse ich jede Nacht das “Nest­ge­fühl” meines Naturbettes. 🙏👍😊
      Liebe Grüsse zurück Bernhard

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