«Slowwood» statt «Fastfood»

 

«Nein, Mama, das ist wirk­lich lieb, aber ich habe keine Zeit. die Arbeit wächst mir über den Kopf.»

«Ach Jungchen, du arbeitest zu viel und schaust zu wenig auf deine Gesund­heit. Ich ver­spreche dir, dass es nur eine Stunde dauern wird», insistiert Tante Emma.

«Mmom­mo, esch abe diii dooosch…»

«Junge!…» – immer wenn Emma früher bei ihrem mit­tler­weile 37-jähri­gen Sohn von «Jungchen» zu «Junge» wech­selte, war Gefahr oder zumin­d­est ein Tadel im Anzug – «… mit vollem Mund spricht man nicht! Auch nicht durchs Telefon!!»

«Mama, du hast recht, aber ich muss auf dem Weg ins Fit­ness­cen­ter essen, danach reicht es nicht mehr. Ich habe nur einein­vier­tel Stun­den Zeit für Hin- und Rück-Weg, Train­ing, Duschen und Essen», recht­fer­tigt er sich.

«Und über­haupt, was isst du eigentlich, wenn du nur so wenig Zeit hast?»

«Ich habe mir im Fast­food-Laden gegenüber schnell etwas geholt.»

«Habe ich es mir doch gedacht!», die Entrüs­tung ist unüber­hör­bar, «Da gibt man sich Mühe, den Nach­wuchs gesund zu ernähren, und kaum sind sie ein Jährchen oder so aus­ge­flo­gen, stopfen sie bloss Faaschtfuud-Müll…»

Liebe HEIMisch-Blog-Leserin­nen und ‑Leser, die Fort­set­zung ers­paren wir uns, aber das ist wieder ein­mal eine Geschichte mit­ten aus dem Leben gegrif­f­en – vielle­icht sog­ar aus Ihrem? Auch hier geht es mir nicht darum, etwas zu ver­teufeln oder für etwas zu mis­sion­ieren. Ich weise bloss auf gewisse Sachver­halte hin, über­lasse es jedoch Ihrer Eigen­ver­ant­wor­tung, entsprechend zu han­deln oder eben nicht.

Die fol­gende Geschichte ken­nen Sie möglicher­weise eben­falls aus eigen­er Erfahrung: Sie haben sich vor 20 Jahren ein Büchergestell eines grossen Möbel­haus­es aus dem Nor­den gekauft und pack­en nun die Einzel­teile aus: 1 Schraube zu wenig, 2 Löch­er nicht gebohrt, ein Mass um 3 Mil­lime­ter daneben und eine Bauan­leitung in fehler­freiem  ChiSuaEng­FiDeu (Chi­ne­sisch-Sua­he­li-Englisch-Finnisch-Deutsch). Woll­ten Sie am Schluss etwas Möbelähn­lich­es im Zim­mer ste­hen haben, braucht­en Sie Ner­ven wie Draht­seile. Und durften nie umziehen. Nach dem zweit­en Zusam­menset­zen hat­te das «gute Stück» höch­stens noch die Sta­bil­ität ein­er aus­getrock­neten Sand­burg. Man wusste nie, wie lange es noch steht.

Diese Zeit­en sind min­destens zum Teil vor­bei. Geblieben sind die oft­mals nicht sehr natur­na­hen Mate­ri­alien respek­tive eine zweifel­hafte Lan­glebigkeit – «Fast­wood» eben. Wobei Wood (Holz) dur­chaus irreführend sein kann. Mit Holz im eigentlichen Sinn haben viele dieser Dinger nur wenig gemein.

Wer bil­lig («Fast­wood») kauft, kauft zweimal. Oder dreimal. Oder noch öfters.

Man kön­nte am Beispiel eines Bettgestells nach 10 oder 15 Jahren sagen, dass es seine Schuldigkeit getan hat und gehen darf. Kön­nte man. Man kön­nte auch sagen, dass ein Bett mehrere Gen­er­a­tio­nen über­leben darf – in die Erb­masse fällt J – und immer wieder aufge­frischt wer­den kann, um in neuem Glanz zu erscheinen. Wet­ten, dass dieses Mas­sivholz-Bett über alles gese­hen, gün­stiger ist, und dazu viel gesün­der und umweltverträglich­er! Einziger Minus­punkt, es entspricht kaum der neusten Mode. Muss es das?

Ein solch hochw­er­tiges Möbel­stück ist dank scho­nen­der Trock­nung, besser­er Ver­leimung und aus­gek­lügel­ter Pro­duk­tionsver­fahren äusserst lan­glebig und qual­i­ta­tiv noch bess­er als ihre Vor­läufer aus Gross­mut­ters Zeit­en. Und in jedem dieser «Schmuck­stücke» – sei es nun ein Mas­sivholz-Tisch, -Bett oder son­stiges -Möbel – steckt, trotz maschineller Unter­stützung, viel Han­dar­beit sowie eine gehörige Por­tion Handw­erk­er-Herz. Logis­cher­weise dauert die Her­stel­lung deut­lich länger – «Slow­wood» eben.

Das verstehe ich unter «Slowwood»

Mas­sivholz­bet­ten
Mas­sivholzmö­bel
Mas­sivholztis­che

Falls Sie zur Gruppe der Slow­food­er gehören (diese Bewe­gung gibt es tat­säch­lich), kön­nte es sein, dass Sie auch für Slow­wod zu begeis­tern sind. Kom­men Sie in meine Ausstel­lung in Sem­pach Sta­tion, und wir find­en es heraus!

 

 

Nun freue ich mich, Sie in zwei Wochen beim The­ma «Sym­pa­thie» wieder dabei zu haben.

Bis bald!

 

Ihr Bern­hard Heim

Schlaf- und Wohn­ber­ater und Slowwood-Fan

 

 

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Beat am 18. Februar 2024 um 8:42

    Das war und bleibt immer meine Devise, etwas mehr sparen, dafür etwas Hochw­er­tiges kaufen. Mein Bett, Schrank und Sofa sind bald zwanzig Jahre alt und noch gut im Schuss. Das Sofa brächte mal einen neuen Bezug, das Bett hat let­zten Jahr eine neue Matratze bekom­men, eine hochw­er­tige vom Heimisch. Wer wenig Geld hat, kann auch mal im Brock­en­haus nach­schauen, dort gibt es zum Teil auch gute Möbel. Meinen Tan­nen­klei­der­schrank und Kom­mode sind auch von dort und habe schon viele Jahre auf dem Buck­el und mehrere Umzüge über­standen. Überdies Fast Food finde ich gruslig.

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