Venenrückfluss #148
Kopf hoch oder Füsse hoch?
Klein-Peter, liebevoll auch Peterli genannt – in Mundart bezeichnet dies die Petersilie, deren Name vom griechischen petrosélinon stammt und übersetzt «Felsensellerie» bedeutet, weil die Pflanze ursprünglich an felsigen Hängen im Mittelmeerraum wuchs – bleibt staunend bei der Baustelle stehen und beobachtet, wie der Bagger mit seiner mächtigen Schaufel einen Haufen Kies auflädt. Langsam gleitet die Schaufel in die Höhe, um sich nächstens über dem wartenden Lastwagen auszuleeren. Leider ist jetzt genau 9 Uhr vormittags und der Baggerführer macht Pause. Er schaltet den Motor aus, und die Schaufel bleibt hoch oben. Hundert Meter weiter muss Mama wieder mit ihm stehen bleiben. Er will zuschauen, wie ein älterer Herr den Veloschlauch aufpumpt. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen sie beim Einkaufscenter an und betreten es durch ein Drehkreuz.
Sie denken sicher, was diese Einleitung mit gesund schlafen und natürlich wohnen zu tun hat?
«Nume ned gschprängt», würde die gemütliche Bernerin von nebenan sagen.
Die drei Beispiele haben eine Sache gemeinsam: Etwas darf sich bewegen – aber nur in eine Richtung. Die Baggerschaufel bleibt oben, weil ein Ventil verhindert, dass das unter Druck stehende Öl zurückfliesst. Das Ventil hält die Luft im Veloschlauch zurück, und das Drehkreuz sorgt dafür, dass die Besucher das Geschäft an dieser Stelle nur betreten aber nicht verlassen können.
Das waren nur drei von unzähligen Anwendungsfällen, die alle auf etwas beruhen, das wir Menschen, wie die allermeisten Säugetiere und Vögel, von Natur aus eingebaut haben: Venenklappen. Stellen Sie sich vor, was bei einer Giraffe geschehen würde, wenn sie das nicht hätte! Sie hätte Beine wie Baumstämme und keine Chance, das Blut bis zum Herzen hochzupumpen, weil es sofort wieder in die Beine zurückfliessen würde. Genau dies verhindern die Venenklappen.
Bei Menschen mit venöser Insuffizienz (beeinträchtigter Venenrückfluss) funktionieren die Venenklappen nicht mehr richtig. Sie leiden unter schweren, müden Beinen, abendlichen Schwellungen, Spannungsgefühl, Krampfadern und anderem mehr. Ihnen wird empfohlen, die Beine hoch zu lagern, um den Blutrückfluss zu erleichtern.
Das war bisher alles logisch nachvollziehbar, oder?
Und nun kommt die Krux (steht im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert für den schwierigen Kern einer Sache): Der Heim empfiehlt Schrägschlafen mit erhöhtem Oberkörper.
Aber dann fliesst doch alles Blut in die Beine?
Stimmt. Aber die Sache ist etwas komplizierter – und sehr spannend.
Ich habe mich mit dem Schlafexperten und SAMINA-Gründer Prof. Dr. med. h.c. Günther W. Amann-Jennson ausgetauscht, und er hat mir erklärt, dass Beine hochlagern und Schrägschlafen kein Widerspruch sind: Bei schlechtem Venenrückfluss oder venöser Insuffizienz empfiehlt man, die Beine hoch zu lagern, etwa 20 — 30 cm über Herzhöhe, um den Druck in den Beinvenen zu verringern, den venösen Rückstrom zum Herzen kurzfristig zu erleichtern, und Schwellungen / Ödeme zu reduzieren. Das ist eine passive Entlastung – sie hilft akut, wenn der venöse Rückfluss geschwächt ist, verbessert aber langfristig die Funktion der Venenklappen nicht.
Funktion der Venenklappen
Jetzt wird’s richtig spannend: Wenn man leicht schräg liegt – Kopf ein bisschen höher als die Füsse, so etwa 10 bis 15 cm – passiert mehr, als man denkt. Der ganze Flüssigkeitstransport im Körper wird sanft in Bewegung gebracht. Durch den leichten Höhenunterschied fliesst Flüssigkeit kontinuierlich vom Kopf zum Fussende. Paradoxerweise hilft genau dies den Venen, das Blut besser zurück zum Herzen zu bringen. Es entstehen kleine Druckunterschiede im Körper, die dem Kreislauf auf ganz natürliche Weise einen sanften Schubser geben. Genial, nicht?
Wenn Sie mehr zum Schrägschlafen wissen möchten, finden Sie in den Blogbeiträgen Schräg schlafen #20, Schlafapnoe #23, Reflux / Sodbrennen #74 viel Wissenswertes.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Beine hochlagern sorgt für eine kurzfristige Druckentlastung, Schrägschlafen für eine langfristige Zirkulationsförderung. Beide Ansätze lassen sich einfach kombinieren. Anwender (und kleinere Beobachtungsstudien) berichten über eine stärkere Venenklappenfunktion und damit weniger Beschwerden schon nach einigen Wochen. Fazit: Weniger Probleme, besserer Schlaf.
Eine einfache und vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit für das Schrägschlafen sind meine Bettkeile aus Schweizer Tannenholz, die sich einfach in jedes Bettsystem integrieren lassen.
Nur noch bis morgen:
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Nun freue ich mich, Sie in zwei Wochen beim Thema «Schlafen im Wald» wieder dabei zu haben.
Bis bald!
Ihr Bernhard Heim
Schlaf- und Wohnberater und Zirkulationsförderer
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