Die Wildeiche

Die Eiche (Quercus robur, Stieleiche) ist einer der langlebigsten und imposantesten Bäume in unseren Breiten und ein wichtiger Stabilisator des Laubwaldes. Um ihre dominante Position zu verteidigen, hat sie einige sehr intelligente Strukturen entwickelt. Ihr Wurzelsystem ist zweigeteilt, um sowohl oberflächennahes Wasser als auch Feuchte aus der Tiefe aufsaugen zu können. Durch den hohen Gerbsäuregehalt ist das Holz besonders haltbar. Diese Langlebigkeit, ihre machtvolle  Ausbreitung und die unglaublich festen Stämme sind das Erfolgskonzept der Eiche. Die Wildeiche unterscheidet sich durch die charakteristischen Naturmerkmale wie Risse und verwachsene Äste von der „normalen“ Eiche.

Aussehen

Der Baum wird bis 50 Meter hoch und erreicht einen Durchmesser von bis zu 200 Zentimeter. Die starke Rinde ist grauschwarz und tief längsrissig. Die sperrigen Äste stehen waagrecht und bilden eine tiefe, große Krone. Die kurzgestielten Blätter in unsymmetrischer Form sind am Grund meist ausgebuchtet, unten kahl oder spärlich behaart. Die Fruchtstände sind langstielig. Das Holz ist deutlich ringporig und im Splint gelblichweiß. Der scharf abgegrenzte Kern ist graubraun, dunkelt jedoch auf dunkelbraun nach. Die breiten Markstrahlen bilden im Radialschnitt verschieden geformte hellglänzende Spiegel, im Tangentialschnitt lange dunkle Streifen.

Eigenschaften und Verwendung

Das Holz ist besonders widerstandsfähig, hart, witterungsfest und riecht beim Schnitt säuerlich (Gerbsäure). Es muss vor dem Einbau gut abgelagert werden. Dann kommt es für Fussböden, Haus- und Möbelbau zum Einsatz. Bemerkenswert ist seine lange Haltbarkeit unter Wasser, wo es mit der Zeit schwarz wird (Pfahlgründungen). Das harte und dichte Holz ist zäh, elastisch und dauerhaft. Es lässt sich gut bearbeiten, messern und ist leicht zu spalten.
Die Inhaltsstoffe des Holzes, vor allem die Gerbsäure machen den Wein geschmeidig und verleihen ihm eine Note von Vanille und Nougat im Abgang. Zu diesem Zweck wird der Wein in Eichenfässern gereift (ausgebaut). Bei einem 225-Liter-Barrique ist das Verhältnis zwischen Wein und Innenfläche sehr optimal. Die Gerbsäure des Eichenholzes wir zum Teil noch heute zum gerben von Leder verwendet.

Brauchtum

Die gewaltigen Segelschiffsflotten aller grossen Seemächte wurden aus Eichenholz gebaut. Es war das einzige Holz, das den Kräften der Weltmeere gewachsen war. Auch das Weltkulturerbe Venedig ruht auf mächtigen Eichenbohlen. In vielen Mythologien wird die Eiche dem blitzschleudernden Himmelsgott (Zeus, Jupiter, Thor) Zugeordnet. Noch heute rät der Volksmund bei Gewitter: „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.“ Das wohl berühmteste germanische Baumheiligtum war die „ Irminsul“, eine dem Gewittergott Donar geweihte Eiche (in manchen Überlieferungen eine Fichte). Eichen sind ein Symbol der Langlebigkeit, Macht und Männlichkeit. Das altkeltische Wort Druide wird oft als „Eichenkundiger“ übersetzt. Eichen und deren Misteln spielten in der Heilkunde eine zentrale Rolle. Sie wurde gerne über linksdrehenden Wasserströmen gepflanzt, um die Polarität umzudrehen.

Seelische Botschaft

Hier stehe ich, stark wie ein Felsen. Auch wenn andere schon längst aufgegeben haben bin ich noch immer da. Auf mich ist Verlass. Ich bleibe mir selbst treu, komme was wolle. Jeder funktioniert nach seinem eigenen Bauplan. Welchen Sinn hat es, sich zu verbiegen? Niemand kann seinem Schicksal entrinnen. Statt Selbstzweifel zu hegen, investiere ich meine Kraft lieber in kluge Strategien um meine Position aufzubauen und zu festigen. Das kommt letztlich Allen zugute. Aus meiner Grösse kannst auch du Stabilität, Vertrauen und Sicherheit ziehen. In all dem Wandel unserer Zeit, mache ich dich zu einem Meister der Kontinuität.

Investiere in das Eigene!

Textquelle:
(c) Bäume für die Seele, Ueberreuter Sachbuch Verlag
Nutzhölzer von Hans Schafflützel
Baumheilkunde von René A. Strassmann

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